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100 Jahre: Unser Friedhof Eschendorf

Am 2. Februar 1908 fand die erste Beisetzung auf dem neu eingerichteten katholischen Friedhof Eschendorf statt. Darum werden wir im aktuellen Jahr 2008 vermehrt an diesen heiligen Ort mitten in unserer Stadt erinnern und unser Bemühen um eine würdige und zeitgemäße Instandhaltung dieser 100-jährigen Stätte der christlichen Begräbnis- und Erinnerungskultur verstärken.

Schon im Jahre 1907 richtete die Gemeinde St. Antonius diesen Friedhof auf der Kiebitzheide ein. Ursprünglich war er von Dechant Pietz für die ganze Stadt gedacht, denn der alte Friedhof an der Salz-bergener Straße (Beckerings Gaorden) war an seine Grenzen gekommen und wurde fortan bis auf die Erbbegräbnisse nicht mehr genutzt. Bis Juni 1918 fanden auch Beisetzungen aus der Gemeinde St. Dionysius statt, die dann einen eigenen Friedhof auf dem Königsesch erhielt.

Der Erbauer der Basilika, Architekt Klomp, entwarf das Portal des neuen Friedhofs. Der von innen gesehen linke Portalpfeiler zeigt die eingemeißelte Jahreszahl 1908. Den Eintretenden erinnert das Tor in lateinischen Worten: „Bedenke, dass du sterblich bist.“ Wer den Friedhof durch das Tor verlässt, bekommt die tröstliche Überzeugung mit: „Ich werde auferstehen“. Wie das Tor ist der ganze Friedhof in seiner Anlage ein Ort der Glaubensverkündigung angesichts des Todes, also ein Ort der liebevollen Erinnerung an unsere Verstorbenen, des Trostes in der Trauer und der Hoffnung auf ewiges Leben.
Am Allerseelentage 1931 weihte Dechant Tappe das neue, eindrucksvolle Friedhofskreuz von Alexander Frerichmann ein. Es steht an der Kreuzung der Hauptwege, die wiederum aus der Vogelperspektive ein großes Kreuz über den ganzen Friedhof zeichnen. Bei genauem Hinsehen erkennt man sogar zwei weitere Hauptachsen, welche die schräg gestellten Arme des Coesfelder Kreuzes markieren. Es ist uns ein großes Anliegen, diese sinnbildliche Struktur und damit den Verkündigungscharakter unseres Friedhofs zu bewahren, ja sogar wieder stärker zur Geltung zu bringen. Dazu gehört auch unser Wunsch, dass die Familien ihre Grabstätten mit christlichen Zeichen und Deutungen sowie mit lebendiger Bepflanzung gestalten. Viele Beispiele moderner Friedhofsgärtnerei beweisen, dass dies auch pflegeleicht zu bewerkstelligen ist.

Im ersten Jahr 1908 wurden auf der Kiebitzheide 245 Personen einschließlich derer aus der Gemeinde St. Dionysius beerdigt. Ein Vergleich: aus den kath. Kirchengemeinden rechts der Ems wurden in den Jahren 2000-2006 im Jahresdurchschnitt dort 267 Personen bestattet. Erwähnenswert dürfte auch die Zahl der Kriegstoten des 2.Weltkrieges sein, die auf unserem Friedhof ihre Ruhestätte fanden: 265 Soldaten, Ziviltote, so genannte Zwangsarbeiter, wovon allein auf dem Gelände der so genannten „Ehrenanlage“ 132 Beisetzungen erfolgten. Mit Hilfe öffentlicher Zuschüsse konnte dieses Gräberfeld im Jahre 2007 renoviert werden.

Früher wurden die Toten bis zur Beisetzung daheim aufgebahrt. In Zeiten der Wohnungsnot wurde dies immer mehr Familien unmöglich. Darum wurde im Jahre 1953 die erste Friedhofshalle neben dem Tor erbaut. Als im Jahre 1970 eine neue, größere Friedhofshalle - zur Westseite gelegen - errichtet werden musste, wurde auf Betreiben des damaligen Kirchenvorstandsmitgliedes Carl Möller die alte Halle nicht abgerissen, sondern als Gebets- und Andachtsraum für die Friedhofsbesucher hergerichtet und ganztägig geöffnet.

Der Entwurf der neuen Halle stammte von dem aus unserer Gemeinde stammenden Architekten Georg Happe. Im Bauumfang waren inbegriffen: die Trauerhalle, 7 Aufbahrungskammern, Büro- und Aufent-haltsräume für die Bediensteten sowie eine Toilettenanlage für Besucher. In der letzten Zeit konnte der Kirchenvorstand schon wichtige Schritte zu einer Verschönerung der Räume tun, denen weitere folgen werden.

Ein so großer Friedhof von mehr als 10 ha Größe bedarf der Beschäftigung von 4 Vollzeit- und 2 Teilzeitkräften. Im kommenden Sommer wird der langjährige Leiter, Herr Bernhard Christoph, in den Ruhestand verabschiedet. An seine Stelle tritt Herr Martin Bieker aus Altenrheine. Das beträchtliche Haushaltsvolumen für den Unterhalt einer so großen Anlage muss ganz und gar aus den Einkommen - den Gebühren finanziert werden. Der Friedhofsausschuss des Kirchenvorstands Heilig Kreuz kümmert sich darum, dass die Kirchengemeinde ihrer Verantwortung als Trägerin des Friedhofs Eschendorf in der Zielrichtung unserer pastoralen Leitlinien einer zeitgemäßen Begräbnis- und Erinnerungskultur gerecht wird.

Franz Bickel

Vorsitzender des Friedhofsausschusses

 

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